Gründe der eingeschränkten Fruchtbarkeit

Seit einer ganzen Reihe von Jahren hat sich ein Trend ergeben, dass immer mehr Paare eine Spezialpraxis wegen unerfüllten Kinderwunsches aufgesucht haben. Es kann nicht exakt festgestellt werden, ob das grundsätzlich daran liegt, dass es zunehmend Fruchtbarkeitsprobleme gibt, oder ob immer weniger Paare eine ungewollte Kinderlosigkeit als gegebenes Schicksal akzeptieren wollen.

Wesentlich mitentscheidend für diesen Trend ist, dass sich in den letzten Jahrzehnten gewaltige gesellschaftliche Veränderungen vollzogen haben:
Immer mehr Frauen erlangen eine qualifizierte Ausbildung und gehen die Familienplanung deshalb auch später an. So hat sich in den letzten 10 Jahren die Zahl der Frauen, die erst nach dem 30. Lebensjahr ihren Kinderwunsch verwirklichen wollten, verdoppelt; heute hat schon mehr als jedes zehnte geborene Kind eine Mutter, die über 35 Jahre alt ist.

Dies mögen Gründe sein. Es fällt aber genauso auf, dass immer mehr auch bei Männern festgestellte Fruchtbarkeitsstörungen, die zum Teil sehr schwerwiegend sind, Grund für eine Kinderwunschbehandlung sind. Ob Änderungen in den Lebensgewohnheiten, der beruflichen Tätigkeit, der Bekleidung oder der Ernährung für die verminderte Fertilität (= Fruchtbarkeit) aller Beteiligten verantwortlich sein können, ist heute Gegenstand vieler Untersuchungen und weiterhin fraglich.

Die Tätigkeit der menschlichen Keimdrüsen – bei der Frau: Eierstöcke (=Ovar, Ovarien); beim Mann: Hoden (=Testis oder Testes) – wird von Hormonen (FSH und LH) gesteuert, die von der Hirnanhangsdrüse (=Hypophyse) gebildet und in die Blutbahn abgegeben werden. Nach der Geschlechtsreife, d. h. nach dem Eintreten der ersten Monatsblutung reifen im Eierstock der Frau alle 4 Wochen mehrere Eizellen heran. Von den, in sogenannten Eibläschen (=Follikel) sich entwickelnden Eizellen (=Oozyten), gelangt meistens nur eine zur vollen Ausreifung. Etwa in der Mitte des Zyklus kommt es zum Eisprung (=Ovulation) und die jetzt befruchtungsfähige Eizelle wird von einem Eileiter (=Tube) aufgenommen. Die Eizelle wandert in Richtung Gebärmutter (=Uterus). Im Eileiter findet auch eine möglicherweise eintretende Befruchtung statt, wenn nach dem Geschlechtsverkehr dort befruchtungsfähige Samenzellen (=Spermien) vorhanden sind. Bei der Befruchtung, d.h. nach der Vereinigung von Ei- und Samenzelle, kommt es zur Verschmelzung der sich in der Eizelle und in der Samenzelle befindlichen mütterlichen und väterlichen Erbinformationen. Dabei entsteht ein neuer Mensch, der nicht einfach ein jeweils halbes Spiegelbild seiner Eltern, sondern durch die Vermengung der Erbinformationen einzigartig ist. Mit der ersten Zellteilung als Ausdruck der vollendeten Befruchtung beginnt das menschliche Wachstum. Innerhalb von 4 Tagen wandert der Embryo in die Gebärmutterhöhle, um sich dann in der Gebärmutterschleimhaut (=Endometrium) einzunisten.

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Damit es zur Schwangerschaft kommen kann, ist aber nicht nur das richtige Funktionieren der Hormonbildung und –steuerung bei Frau und Mann wichtig. Es müssen ebenso die Geschlechtsorgane richtig angelegt sein. Auch darf es nicht zur Funktionseinschränkung, wie z. B. der Verklebung der Eileiter oder Samenleiter durch Entzündung gekommen sein.

Es hat sich als sehr wertvoll erwiesen, vor Einleitung einer Behandlung erst eine genaue Abklärung der Fruchtbarkeitsstörung bei Frau UND Mann durchzuführen. Diese kann im Einzelfall zeitaufwendig sein.

Dadurch ist es aber möglich, eine gezielte Therapie (=Behandlungen) zu beginnen, die dann im allgemeinen mehr Erfolgschancen bietet. Eine solche Behandlung kann dem Paar sehr viel Engagement, Kraft und Aufwand abverlangen. Die Basis für eine Sterilitätsbehandlung muss deshalb immer eine intakte und stabile Partnerschaft sein. Wir werden uns bemühen, wo immer es unsere Möglichkeiten im Praxisablauf zulassen, auf Ihre Belange einzugehen. Die Behandlungs- und Praxisorganisation gebietet aber zuweilen, ein auf Sie möglicherweise starr wirkendes Vorgehen anzuwenden. Dies hat z. B. zur Folge, dass eine Behandlung von Anfang bis Ende nicht nur von einem betreuenden Arzt durchgehend angeboten werden kann – Sie werden meistens im Laufe Ihrer Behandlung alle Ärzte der Praxis kennen lernen. In einer solchen Systematik liegt jedoch sehr häufig eine Grundlage für den Therapieerfolg. Trotz aller eventuellen Schwierigkeiten und Anforderungen lautet der Grundsatz einer solchen Sterilitätsbehandlung, dass die Anwendung anerkannter – und rechtlich zugelassener – medizinischer Methoden stets unter Achtung der Würde des betroffenen Paares und des gewünschten Kindes zu geschehen hat.

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